Plasmapolizei

Die größte Gefahr unserer Zeit geht nicht von böswilligen, im Schatten die Fäden ziehenden Geheimorganisationen wie der CIA aus. Auch nicht von Killerbakterien, die in einem Bunker am Nordpol von einer staatenunabhängigen Vereinigung entwickelt wurden und darauf warten, auf die zivilisierte Welt losgelassen zu werden. Und erst recht nicht von der mentalen Kontrolle durch Castingshows im Fernsehen. Nein, die wahre Gefahr löscht gerade in vielen Lichtjahren Entfernung die friedliche Bevölkerung des Planeten GIV-53 aus. Und früher oder später wird sie ihren Fokus auf die Erde richten. Meine Damen und Herren, ich stelle vor: Die Hornikaden.
Noch niemand hat die gesehen, doch selbst ernannte Experten behaupten, die Hornikaden würden gewaltigen, aufrecht gehenden Nashörnern mit Insektenflügeln ähneln, deren Haut schwarz, die Zähne grün und das üppige Kopfhaar graumeliert bis schlohweiß sind. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es sich hierbei um die Spekulationen von fantasierenden Pseudo-Propheten handelt. Was sicher ist, ist folgendes: Sie fressen Fleisch. Und sie sind nicht wählerisch.
Wie jedoch können wir uns gegen diese überaus reale Bedrohung schützen? Neueste Ergebnisse der Hornikadenforschung haben bewiesen, dass die Aggressoren stark allergisch auf Zucker reagieren. Ihre Entgiftungsorgane identifizieren den Zucker als Fremd- beziehungsweise Feindstoff, kollabieren jedoch über kurz oder lang aufgrund der Molekülgröße des Zuckers. Eltern sollten sich und ihre Kinder demnach möglichst zuckerhaltig ernähren, um für die Hornikaden ein unattraktives Ziel zu bieten.
Mit gewöhnliches Projektilen ist der Haut der Hornikaden nicht beizukommen. Aus diesem Grund plant die Organisation "Antihorn" eine Unterschriftensammlung, die den Staat dazu bewegen soll, mehr Geld in die Entwicklung leistungsfähiger Plasma- und Laserwaffen zu investieren. Sowohl Polizei als auch Militär müssen umgerüstet und umgeschult werden, um der neuen Bedrohung angemessen sie Stirn bieten zu können. Korrespondenz mit anderen betroffenen Völkern hat ergeben, dass Walzerrhythmen und die dazugehörigen Tanzschritte die Hornikaden verwirren und in ihren Gehirnen zu schwerwiegenden Kurzschlüssen führen können. Der langsame und der Wiener Walzer sind so schnell wie möglich in die Ausbildungsprogramme von Polizei und Bundeswehr aufzunehmen.
Um eine bestmögliche Vorbereitung der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und Panik zu vermeiden, empfiehlt Dr. Tobias J. Machmehm, Informationsvorträge an Schulen zu halten. Machmehm, eine Koryphäe auf den Gebieten der extraterrestrischen Kommunikation und des angewandten Blödsinns, ist bei Erscheinen dieses Artikels seit mehreren Monaten verschollen. Seine Entführung - denn um nichts anderes kann es sich hierbei handeln - ist der finale Beweis für die Existenz der Hornikaden. Darum wappnet euch. Wir wissen nicht, wann sie kommen. Aber dass sie kommen, das wissen wir.

Das Einhorn meint: Eine Schweigeminute für GIV-53, bitte. Und noch eine. Und noch eine, wenn's recht ist. Weißt du, wie schön das ist, wenn du mal die Klappe hältst, Botschafter?

Es warnt euch eindringlich,
Der Botschafter des Einhornwaldes.



 
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