Ich lad' Musik


Es wäre sinnlos, es zu leugnen. Auch ich habe früher auf irgendwelchen dubiosen Seiten die aktuellen Alben meiner Lieblingsbands - und das sind jede Menge - für genau 0 Cent gezogen. Inzwischen habe ich sämtliche auf diesem Weg erhaltenen Dateien gelöscht. Warum? Gewissensbisse? Könnte man so sagen. Das Internet schafft eine Distanz zwischen Künstler und Konsument, bei der sich die meisten Menschen nicht mehr schlecht fühlen, wenn sie auf "Jetzt herunterladen" klicken. Online-Piraterie wird als normal, legal, als völlig in Ordnung empfunden. Der Künstler hat ja genug andere Fans, die seine Alben kaufen können. Es tut ihm ja nicht weh, wenn einer sie sich runterlädt. Schade nur, dass ziemlich viele Leute so denken. Und was, wenn man die Band dann persönlich treffen würde? "Hallo, Orsons! Ihr seid klasse! Ich bin euer größter Fan! Ich habe alle eure Alben gedownloadet (blödes Wort übrigens)!" Danach kannst du von Glück reden, wenn deine Zahnlücke nur so groß wie die von Kaas ist.

Ich will gar nicht mit irgendwelchen strafrechtlichen Konsequenzen abschrecken. Ich möchte euch nur verdeutlichen, dass ihr so gegen den Willen eines Künstlers handelt, dessen Schaffen ihr liebt. Das ist so, als würde man in einen Buchladen gehen und die Seiten abfotografieren. Jaja, oder einfach die PDF herunterladen. Ich bin halt altmodisch.

Wenn die Band gewollt hätte, dass man ihre Alben für lau zieht, hätte sie das selbst veranlasst. Und an dieser Stelle mache ich euch einen Vorschlag. Während ihr jetzt euer Geld für die nächste Taylor Swift- oder Lana del Rey-Platte zusammenspart, sucht ihr im Internet mal nicht nach den Download-Links für ebendiese Alben, sondern bewusst nach Musik deren Erschaffer sie freiwillig und gerne kostenlos mit der Welt teilt. MySpace ist tot, es lebe Bandcamp! Für den etwas ausgefalleneren Geschmack vielleicht Jamendo? Und wer die Augen offen hält, der findet auch auf Facebook genug Bands, die bereit sind, ihre Musik für ein "Gefällt mir" zu verschenken. Soundcloud, Newsground, Blogspot… Alles Plattformen, die neben kostenpflichtiger auch kostenfreie Musik anbieten, wenn man etwas Zeit in die Suche investiert. Nicht zu vergessen die unzähligen kleinen Internetpräsenzen von all den genialen Küstlern, die niemals die ihnen gebührende Anerkennung erhalten werden, weil sich niemand die Mühe macht, nach ihnen zu suchen. Rapidshare geht halt schneller. Irgendwo versteh' ich's ja (Haha).

Jetzt gibt es sicher Stimmen, die meinen, das solche Downloads ein deutlich höheres Virenpotential mit sich bringen als die von Rapidshare oder Uploaded oder was auch immer. Das ist völliger Blödsinn, das Gegenteil ist der Fall. Und bei legalen Downloads besteht auch nicht die Gefahr, sich den berühmt-berüchtigten Bundestrojaner einzufangen und sich im Anschluss mit sehr viel realeren Problemen konfrontiert zu sehen.

Dann gibt es noch solche Leute, die meinen, dass kostenlose Musik aus dem Grund kostenlos sei, da keiner sie haben wolle, weil sie schlecht sei. Was ich von dieser Meinung halte, würde die Zensur nicht überleben, darum spare ich mir das einfach. Es ist ja nicht so, dass nur unbekannte Untergrund-Künstler, die in ihrem Hobbykeller ein bisschen Lärm machen, ihr Alben kostenlos vertreiben. Kennt noch jemand die Bangarang-EP von Skrillex? Und die Dame Sirah, die darauf prominent vertreten war? Ebenjene Sirah hat jetzt ihre eigene - C.U.L.T. - herausgebracht. Kostenlos im Internet. Und die steht größeren, teureren Produktionen in absolut nichts nach. Oder ein anderes Beispiel: Die Kennenlernrunden von Herrn Merkt. Das sind Deutschrap-Sampler, zusammengestellt von dem Blogger Herr Merkt, und kostenlos herunterzuladen auf dessen Seite. Und neben Untergrundperlen wie Jephza, Ahzumjot oder FiST fanden sich auch schon Quasi-Stars wie Laas Ultd., Pimpulsiv oder Cro in den Song-Sammelsurien. Und Letzterer, Cro, hat seine ersten Mixtapes ja auch für lau veröffentlicht, bevor sein Hype explodierte. Und was viele Independent-Künstler auf die Beine und dann ins Netz stellen, ist qualitativ so hochwertig, dass sich einige kommerziell erfolgreiche Künstler schämen sollten. Gwyn Fowler, Cruiser, Pilotless Drone, F-777, Sabrepulse… Ich könnte stundenlang so weitermachen. Es kommt nicht darauf an, Musik zu kaufen, sondern sie legal zu erwerben. Das ist ein großer Unterschied.

Das Einhorn meint: Meine Lieblingsband sind übrigens die Unicorns From Outer Space, abgekürzt UFOS. UFOS, verstehst du, UFOS! Hahaha! Weil halt… naja egal.

Es grüßt,
Euer Botschafter des Einhornwaldes.

P.S.: Weil ich weiß, dass ihr alle faul seid (ich in es ja auch), hier einige Links zu den von mir erwähnten Künstlern:
Sirah: www.sirahmusic.com
Herr Merkt: Blog
Sabrepulse: www.sabrepulse.com
Pilotless Drone: Bandcamp-Präsenz
Gwyn Fowler: Bandcamp-Präsenz
Cruiser: Soundcloud des Künstlers



 
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