Frühsommer-TOD

Ich habe vor ein paar Tagen den fatalen Fehler gemacht, aufgrund eines leichten Kopfschmerzes die Symptome nachzuschlagen. Irgendwann bin ich dann auf Frühsommer-Meningoenzephalitis gestoßen, woraufhin ich zwei Tage davon überzeugt war, sterben zu müssen. Ich kann das Wort immer noch nicht fehlerfrei aussprechen, aber es sieht einfach aus wie das schriftgewordene Verderben. Genauso gut könnte es Frühsommer-TOD heißen. Aber das klingt wohl zu unwissenschaftlich. Anstatt nun die letzte Gelegenheit zu nutzen und ein paar Sachen auf meiner Liste von Dingen, die ich machen will, bevor ich sterbe, abzuhaken, entschied ich mich dafür, dem sicheren Frühsommer-TOD mannhaft im Bett liegend entgegenzutreten. So eine Liste setzt dich schließlich brutal unter Zeitdruck, du hast eine Deadline, von der du nie genau weißt, wann sie eintritt…
Deadline! Zu gut! Was das Wortspiel beabsichtigt?
Nein, und jetzt geh weg und räum den Geschirrspüler aus.
Ja, Meister.
Wo war ich? Ach ja. Dem Tod bettelnd als Mann gegenüberzuliegen. So lag ich denn virtuell dem Ende nahe auf meinem Bett, gepeinigt von Fieberanfällen, Migräneperioden und herzerweichenden Hustenkrämpfen und gelangte zu der erschütternden Erkenntnis, dass Hustensaft wie Cola schmeckt, wenn man ihn mit Wasser verdünnt. Ich habe mir aus lauter Langerweile auch die Etikette der stapelweise neben meiner Schlafstatt lagernden Arzneimittel durchgelesen. Das ist tatsächlich interessanter, als es sich anhört. Ich habe einen ganzen Ernährungsplan nur aus Tabletten zusammengestellt: Erst ein paar Mucuzedol, gegen die Kopfschmerzen. Die führen aber als Nebenwirkung zu Magenverstimmungen. Aber dagegen gibt es Gott sei Dank Carbuprofen, auch wenn ich von denen Fieber und Schweißausbrüche bekomme. Gegen die hilft mir dann Ibotrexyl. Von denen kriege ich zwar Kopfschmerzen, aber dafür hab ich ja die Mucuzedol. Das alles mit einem kräftigen Schluck von dem Cola-Hustensaft namens Mucosolvan runterspülen, und du fühlst dich wie neugeboren. Zumindest für anderthalb Stunden.
Sag mal, ist dir auch schon aufgefallen, dass manche Medizin-Dingsis klingen wie Nahost-Staaten? Mucosolvan, Nachbarland von Kasachstan und Usbekistan?
Ähh, nein? Hopp Hopp, mach dich irgendwie nützlich! Wäsche waschen oder so was.
Ja, Meister…
Während ich dort so lag, krank gespielt habe und mich durch die verschiedenen Geschmacksrichtungen von Traubenzucker gefressen habe, habe ich über eine Menge Dinge nachgedacht. Warum ist der Sahnekefir immer alle? Warum haben Marienkäfer weiße Pukte? Warum gibt es Krieg auf Erden? Und wer führt diese Collage des Quatsches weiter, wenn ich einmal nicht mehr bin? Gibt es jemanden, der freiwillig den guten Namen "Botschafter des Einhornwaldes" wieder reinwaschen möchte? Fragen über Fragen. Wer auch immer eine Antwort weiß, der möge an die zuständigen Verantwortlichen herantreten. Frau Bernhard zum Beispiel.

Das Einhorn meint: Und was ist jetzt mit deinem Frühsommer-Mangoenzebralitis? Bist etwa gar nicht krank? Dann kannst du aber vergessen, dass ich hier weiter das Hausmädchen für dich spiele! Du hälst dich ja für so schlau, aber nicht mit mir. Nicht mit mir!

Es grüßt,
Euer Botschafter des Einhornwaldes.



 
[zurück]