Einen Kaffee, bitte

Während meines Los Angeles-Kurztrips war ich unter anderem in der Filiale einer Café-Kette, deren Namen ich gerade vergessen habe. Die Szene: Vor der Theke stapeln sich Familienväter und Sneakerträger, während an den Tischen Mütter mit Kindern und Mädchen mit Einkaufstüten in verschiedenen Stadien der Ungeduld auf die Rückkehr ihrer Begleiter warten. Vor mir in der Schlange steht ein Typ mit geschmackssicheren rosafarbenen Hello-Kitty-Sneakern, einem gefälschten Markenrucksack mit der Aufschrift "Eatspak" und einem T-Shirt, welches er irgendeinem kruden Trend folgend auf links trägt und an dem noch das Preisschild hängt. Wir rücken vor, und er ist dran mit Bestellen.

"Hallo, einen Super-XL-Cola-Frappucappucchino mit Himbeersorbet-Minz-Topping und freshly-flavoured Bio-Schlagsahne. Und", er kramt in seiner Hanfgeldbörse und fischt einen zerknitterten Zettel heraus, "ich hab' noch einen Gutschein für einen half-baked Speck-Paranuss-Schokocookie."
"Gerne", meint die Dame an der Kasse und nimmt den Gutschein entgegen, "möchten Sie noch Vanilla-Sirup in ihren Frappucappucchino?"
"Nein , Danke."
"Smarties?", fragt sie.
"Oh bitte.", meint der Typ. Die Bedienung dreht sich um und drückt gezielt einen Haufen Knöpfe an einem Apparat, der frappierende Ähnlichkeit mit dem Kaugummiautomaten aus ‚Charlie und die Schokoladenfabrik' hat. Dann, mit einem unappetitlichen Sprotzgeräusch, fließt eine undefinierbare Plörre in die bereitgestellte Tasse, garniert mit einem Sahnehäubchen, das mit trauriger Schlagseite halb in dem Frappucappucchino versinkt. Die Frau greift unter die Theke und platziert vorsichtig eine einzelne blaue Schokolinse auf dem schiefen Sahnegipfel. Der Typ bezahlt und nimmt den Schokocookie sowie die Tasse und sucht sich einen Platz. Ich trete vor. Die Bedienung lächelt mich an und fragt mich: "Was darf's denn sein?"
Ich antworte: "Ich hätte gern einen Kaffee."
"Klar. Einen Frappucappucchino, oder einen Latte Macoolio? Möchten Sie ein Topping? Ich kann ihnen da unser neuestes Angebot empfehlen, das Frenzy Freaky Flesh Flavoured Topping, das schmeckt nach Schnitzel. Irgendwelche Extrazusätze? Oreokekskrümel, Russisch Brot, Vanilleeis, schwarze Oliven, Fetakäsewürfel?" Sie blickt mich erwartungsvoll an. Ich lächle und sage nach einer fünfsekündigen Kunstpause: "Ich hätte gern einen Kaffee."
Sie starrt mich an. Ihre Augen verengen sich zu prüfenden Schlitzen. Ich lächle unentwegt. Unsere Blicke liefern sich ein stummes Duell. Schließlich fragt sie: "Mit Milch?"
"Bitte."
Sie dreht sich um. Dann, beinahe flehend, blickt sie mich erneut an. "Smarties?"
Ich blicke sie wortlos an. "Okay", sagt sie, dann erneut: "Okay."

Sie drückt eine einzelne Taste an der monströsen Kaffeemaschine. Etwas, das tatsächlich so aussieht wie Kaffee, ergießt sich in meine Tasse. Sie überreicht mir das Gefäß fast schon feierlich, ich gebe ihr mit ähnlich huldvoller Geste das Geld. Dann blicke ich mich suchend im Raum um. Ich entdecke den Helly-Kitty-Sneaker-Typen. Er hat seine geöffnete Tasche über die Stuhllehne gehängt und rührt mit einem Löffel die Sahne in seinen Frappucappucchino. Ich gehe zu ihm hinüber und gieße meinen Kaffee in seinen Eatspak-Rucksack, als er gerade nicht hinschaut. Dann stelle ich die leere Tasse auf den nächstbesten Tisch, verlasse das Café und gehe Sushi essen.

Das Einhorn meint: Hey. Hey, Botschafter. Denkst du… Denkst du, in Sushi ist auch Pferdefleisch?

Es grüßt (aus Los Angeles (echt jetzt)),
Euer Botschafter des Einhornwaldes.



 
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