Herbstfall


Die Blätter wandern verstört umher,
abgerissen, gestrandet, verwegen gelandet.
Ein vom Wind geformtes Blättermeer,
das kurz zerstreuet, dann versammelt.

Wie ein eigenes bewusstes Sein
es mahnend seinen Finger erhebt.
Umwebend einen heilgen Schrein
vor der Kälte, unter der die Erde bebt.

Der nächste Winter unausweichlich
hinter verschlossener Türe lauert.
Die dunklen Mächte still und eisig,
während der einfache Mann sein Leben bedauert.

Wieder ein Jahr verlebt zu Staub,
kein Augenblick dem Wesen bleibt.
Wie von Zeitendieben beraubt,
und keiner sagt und alles schweigt.

Keine Spur erinnert an die Sommerwärme,
das Auge erblickt des Winters Boten.
Man sieht die vielen Vogelschwärme
gen Südend ziehend weg von den Toten.

Doch alsbald werden sie wiederkehren
zurück zu Wärme trauten Wald.
Wir können uns nicht der Hoffnung erwehren,
die heiß durch unsere Adern wallt.

Doch keiner sieht das letzte Jahr,
verloren, versunken in tiefen Gedanken.
Niemand wird sich der Last gewahr,
der flinken schnellen Zeitenranken.

Ein Winter wird kommen,
vergessen der Letzte.
Wieder ein Stück vom Leben genommen,
bis nurnoch da sind zerstückelte Reste.

Man merkt nicht wie die Zeit sich stiehlt.
Man merkt nur dass sie schleichend kreucht.
Man merkt nur dass sie mit uns spielt,
bis sie uns von hinten erdolcht.


 
[zurück]