Der Zeigefinger des Botschafters


Bisher war hier ja alles ganz lustig und so, Friede, Freude, Eierkuchen, ihr wisst schon. Ich denke, es ist an der Zeit, ein ernstes Thema anzuschneiden.

Das Einhorn meint: Was?! Aber…

Sei mal eben ruhig, du wirst nicht gebraucht. Gut, danke. Ein immer wieder debattierter Sachverhalt nicht nur an unserer Schule ist der des Handyverbotes. Die Fronten zwischen den Rebellen (den Schülern) und der Allianz (den Lehrern und Eltern) sind verhärtet. Die Beweislast scheint erdrückend: Schüler wurden auf frischer Tat ertappt, wie sie unter der Bank, hinter ihren Federmappen oder, äh, anderswo versteckt auf ihrem Handy herumtippen. Das Ergebnis sind dann nicht etwa qualvolle, aber wichtige Unterrichtsmitschriften, sondern ein neuer Highscore bei Doodle Jump oder Temple Runner oder Fruit Ninja oder oder oder.
Deswegen ist die Lehrerdrohung, das Mobiltelefon einzuziehen und es entweder nach der Stunde oder von den Eltern abholen zu lassen, mehr als angemessen. Ich würde sogar noch weiter gehen und einen permanenten Entzug des Geräts androhen. Eine Statistik stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Handynutzung und schulischen Leistungen her. Eine weitere Studiekrrzzzzzzzzt------

Okay, das reicht. Ist ja nicht auszuhalten hier. Du bist ganz eindeutig auf der falschen Seite. Das Handy für immer wegnehmen, geht's noch? Du spinnst ja! Das hat nichts mehr mit Disziplinarmaßnahmen zu tun, sondern mit Diebstahl. Und sich auf irgendwelche Statistiken zu berufen, das ist ja besonders blöd. Wenn ich lange genug suche, finde ich sicher auch eine Statistik, die beweist, dass Jungen, die Einhörner mögen, vom anderen Uf-

Du verdammtekrrzzzzzt-----

Äh ja, wo war ich? Ach so. Heutzutage ersetzt das Handy Terminkalender, Hausaufgabenheft, Taschenrechner, Kamera und Spielkonsolole. Und man kann damit immer noch anrufen. Ich denke, man sollte sich an die modernen Standards anpassen und sich nicht so haben. Es kann doch jeder selbst entscheiden, ob-

Halt die Klappe.

Warte mal, ich bin noch nicht-

Halt. Die. Klappe.

Okay.

Verdammtes Vieh. Na gut, weiter im Text. Ich muss ja zugeben, dass solche Maßnahmen wirklich etwas überaltert sind. Das Handy ersetzt aber auch zunehmend die zwischenmenschliche Kommunikation. In den Pausen sitzen fünf Jungs zusammen, einer hält das Handy / die PSP / den DS, und man merkt nur an gelegentlichen Jubelrufen oder Wutschreien, dass sie überhaupt noch am Leben sind. Anstatt sich mit den Menschen um sich herum zu unterhalten, schreibt man Kurznachrichten an Leute auf der anderen Seite der Schule oder am anderen Ende der Stadt. Stellt euch bitte einmal vor, ich würde neben meiner Freundin auf dem Bett sitzen und wir schrieben uns gegenseitig mit dem Handy Küsschen-Smileys, Herzen und-

Du hast eine Freundin?

Was hatte ich vorhin gesagt?

Du bist doof!

Und du bist jetzt endlich leise! Mann! Was für ein nerviges… Nun ja. Also, ich denke, ihr solltet in eurem eigenen Interesse das Handy zu Gunsten eurer Mitschriften oder eurer potenziellen Gesprächspartner doch manchmal beiseite legen. Ich möchte hier nicht mit dem Zeigefinger wedeln. Ein Handy ist ohne Zweifel überaus nützlich, aber es wird dich sicher nicht trösten, wenn du irgendwann keine Freunde mehr außer deinem Samsung Galaxy 3 hast. Und nein, Facebook-Bekanntschaften, die man über das Handy pflegt, zählen da nicht. Geht mal an die frische Luft, fangt ein paar Schmetterlinge, sammelt ein paar Pilze. Und dann postet von mir aus mit dem Handy auf Facebook, wie toll das alles ist.

Das Einhorn meint: Pfft. Ich schmolle.


Es grüßt,
Euer Botschafter des Einhornwaldes.

 
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