Der Botschafter des Einhornwaldes ist tot


Nein, Spaß. War bloß ein Scherz. Aber es hat gewirkt. In der Hoffnung, irgendetwas Spektakuläres über mein Ableben zu lesen, bei dem explodierende Tankstellen, Unmengen an Alkohol und eine außerirdische Bedrohung eine Rolle spielen, habt ihr diesen Link mit zitternder Hand angeklickt - nur um von mir erneut aufs Empfindlichste enttäuscht zu werden. Tut mir ja auch leid. Dieser kleine Exkurs soll euch verdeutlichen, wie sehr man sich von einer Verpackung blenden lassen kann. Das ist ein bisschen wie mit Chips-Tüten. Wenn man die aufreißt, sind dort 50 % Chips und 50 % Luft. Und das nennt sich dann Maxi-Paket. Jetzt mit noch mehr Luft und noch weniger Chips. Irgendwo ist auch das gerechtfertigt, weil Luft ja nun mal überlebenswichtig ist. Okay, für manche von euch sind Chips das auch, aber für die meisten... eher nicht. Ich zahle jedenfalls nicht dafür, dass mir beim Öffnen einer solchen Tüte erst mal eine Gewürzpestilenz entgegenweht, bevor sich der Staub legt und ich auf den kümmerlichen Inhalt schauen kann. Doch genug davon.

Zeitungen verwenden diesen simplen Trick ebenfalls, teilweise mit geradezu beängstigender Perfektion. So war vor einer Weile ein Artikel mit der Überschrift "Kamm-Karambolage" versehen. Tatsächlich ging es dabei lediglich um einen kleinen Überholfehler mit Sachschäden als Folgen. Und nicht etwa um eine gefährliche Bergstraßen-Kollision mit mehreren hundert Autos, Polizei-Großeinsatz und Rettungshubschraubern. Nun ja, für die Gesundheit der Beteiligten ist das nicht ganz so tragisch. Ich nehme an, jedem von euch fällt noch eine weitere Zeitung ein, die den Trick der hemmungslosen Übertreibung geradezu inflationär gebraucht. Kleiner Tipp: Sie hat vier Buchstaben.

Bei Best-of-CDs von Bands bin ich ebenso vorsichtig. Solche Kompilationen haben meistens den Sinn, das Schaffen des Künstlers großflächig abzudecken und seine größten Hits (siehe Name) zu präsentieren. Nehmen wir an, Band X veröffentlichte 10 Alben, bevor sie sich unrühmlich und unter Tränen und Skandalen trennten. Auf dem Best-of sind nun generell schon mal lediglich die, sagen wir, sieben Alben vertreten, die mehr als drei Exemplare absetzen konnten. Die Früh- oder Spät- oder Experimentierphase der Band X fällt somit schon mal weg, um potenzielle Neueinsteiger nicht zu vergraulen. Dann kommt freilich dazu, dass auf so einer CD auch nur begrenzt Platz ist. Damit fallen sämtliche Lieder aus dem Raster, deren Laufzeit die 4-Minuten-Grenze überschreitet. Und um noch Platz auf dem Datenträger zu lassen, damit man etwas Schönes auf dessen Oberfläche kratzen kann, ohne die Dateien zu beschädigen, lässt man einfach noch mal zwanzig Minuten frei. Um auch Leuten, die bereits sämtliche Alben der Band X haben, noch ein wenig Geld aus der Tasche zu ziehen, haben sich die Verantwortlichen einen ganz besonderen Trick überlegt: Sie ersetzen die geilsten Songs mit Covern oder unveröffentlichtem Material, das aus gutem Grund unveröffentlicht geblieben ist. So wird aus einem Best-of eine Art Frankenstein-Sampler. Liebe Musikindustrie, macht das ganze doch auf zwei CDs oder lasst es am Besten gleich. Und wundert euch bitte nicht, wenn die Plattenverkäufe ab- und die Downloadzahlen zunehmen. Das ist genauso unehrlich wie eure "Best-of"-Titulierung.

Doch am allerschlimmsten treiben es die TV-Spots, die durch den Äther geistern. Beispiel gefällig? "Fleckweg-Fleckenentferner entfernt Flecken in nullkommazwei Sekunden mit nur einem Wubbedi-Wisch!" Ah ja. Pass mal auf, du Niete: Meine Fernbedienung wechselt den Sender in nullkommaeiner Sekunde mit nur einem *Klick*. Top das. Und so geht es immer weiter. Von Red Bull bekommt man keine Flügel, sondern Diabetes, Pattafix funktioniert meistens schon vor der ersten Benutzung nicht mehr, und bevor sich ein Citroen in einen Transformer verwandelt, gewinnt Schwarzenegger die Präsidentschaftswahlen in den USA. Ich mache demnächst auch Werbung: "Der Botschafter des Einhornwaldes - quadratisch praktisch gut." Oder so.

Das Einhorn meint: Sag mal, Botschafter, kannst du mir so ein Kuscheltier aus diesem Automaten mit dem Greifhaken rausholen? Bitte, bitte, bitte! Nein? Ich hasse dich. Komm nächste Woche gar nicht erst angekrochen!

Es grüßt,
euer Botschafter des Einhornwaldes.

P.S.: Ich besitze keinerlei Rechte an den Marken Red Bull, Uhu Pattafix oder Citroen. Jegliche Verspottung dieser Marken ist ausschließlich als Satire anzusehen. Nur für den Fall.



 
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