Malen für Lemuren

Schüler-Zeichenwettbewerb "Unser Wald und seine Tiere" in Altenberg und Anjahambe (Madagaskar)

Von: Jens Weber


"Letzte Woche habe ich zusammen mit Todi dafür gesorgt, dass ein gefangener Mausmaki wieder in die Freiheit entlassen wird. Er wurde gefangen und sollte für 2 Euro als Spielzeug verkauft werden. 2 Euro sind hier ziemlich viel Geld und es war nicht einfach, die Jungs davon zu überzeugen, dass der Maki in die Natur gehört.
Nun habe ich versprochen, die Story auf meinen Blog zu stellen und dem Jungen die Seite auszudrucken. Außerdem meinte ich, das die Leute in Deutschland sich riesig über die Aktion freuen werden und sicherlich eine Karte schreiben! Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber vielleicht bringt es ja was! Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert!"

So bloggte letzten Sommer Kathrin Damm unter http://madafasikara.blogspot.com . Kathrin ist eine der beiden jungen Leute, die derzeit in Anjahambe, einem einstmals mitten im madagassischen Dschungel gelegenen Ort, arbeiten. Hier läuft ein Aufforstungsprojekt des Dresdner Grüne-Liga-Regenwaldvereins Ranoala mitsamt Baumschule und Gemüsegarten, außerdem unterrichten Kathrin und Beny Englisch an der Dorfschule.


Bedrohte tropische Vielfalt
Madagaskar ist ein ökologisches Paradies - ein "hot spot" der Biodiversität auf dieser Erde. Die allermeisten Tier- und Pflanzenarten der Insel vor der afrikanischen Südostküste gelten als endemisch. Und es sind wahrlich viele Arten, die sich dort in erdgeschichtlicher Isolation entwickeln konnten: Über 1000 Orchideenarten haben die Wissenschaftler bislang erfasst (mehr als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent). Mindestens 60 Chamäleonarten leben da (zwei Drittel aller Arten weltweit). Noch bekannter ist Madagaskar für seine Lemuren. Von dieser nur hier vorkommenden Ordnung der "Halbaffen" werden auch heute noch immer neue Arten entdeckt, mittlerweile sind es rund 70.

Der Regenwald an der madagassischen Ostküste wiederum ist ein ganz besonderes Paradies im Paradies. Aber er wird langsam knapp. Noch vor hundert Jahren soll hier es mehr als 10 Millionen Hektar Regenwald gegeben haben, heute sind es wahrscheinlich weniger als 1 Million Hektar. Alljährlich geht eine Fläche von insgesamt rund 50 km x 50 km verloren durch Brandrodung oder - unter den gegenwärtig instabilen politischen Verhältnissen besonders besorgniserregend - illegalen Holzverkauf ins Ausland. Folge sind - neben dramatischem Artensterben - auch Erosion von erschreckenden Ausmaßen sowie Verlust an Ressourcen für die Menschen der Region. Statt in traditionellen Holzhäusern können die meisten nur noch in Bambushütten leben, die den regelmäßigen Tropenstürmen kaum mehr entgegenzusetzen haben als Spielkartenhäuschen.


Ranoala (madagassisch: Regenwald)
Rasolonjatovo Todi sowie einige deutsche Freunde, von denen einige mit ihm um 1990 mal in Tharandt Forstwirtschaft studiert hatten, versuchen seit längerem, mit kleinen, lokalen Projekten der Entwaldung entgegenzuwirken. Dabei geht es um Aufforstung genauso wie um die Entwicklung von Alternativen zum waldvernichtenden Brandrodungsfeldbau.

Es ist schwer, Menschen von der notwendigen Erhaltung der biologischen Vielfalt zu überzeugen, wenn sie sich täglich um eine halbwegs ausreichende Reisversorgung für ihre (sehr kinderreichen) Familien sorgen müssen. Aber nicht alles ist mit purer Not zu erklären. Wie auch hierzulande und wahrscheinlich weltweit, hält sich die Achtung vor den Mitgeschöpfen allzuoft in engen Grenzen. Umweltbildung tut not.


Zeichnen in Anjahambe und in Altenberg
Als ich vor einigen Monaten die Zeilen von Kathrin gelesen hatte, kam mir die Idee zu einem Malwettbewerb unter Schülern. Wie wäre es, wenn die madagassischen Kinder in den Klassen von Kathrin und Beny Tiere des Waldes (was davon rund um Anjahambe noch da ist) zeichnen, diese Bilder anschließend nach Deutschland schicken und hier dann deutsche Kinder die schönsten Zeichnungen küren? Die jungen Künstler sollen dann ein paar nette Preise bekommen. Vielleicht kann man auf diese Weise unterschwellig vermitteln, dass Makis, Sifakas, Tanreks und Fossas nicht nur zum Essen oder Verkaufen da sind? Kathrin war begeistert, und so haben wir das Vorhaben im letzten Herbst angeschoben. In diesen Tagen will sie die letzten Gemälde einsammeln und - gescannt, auf CD gebrannt - auf die Reise nach Deutschland schicken.

Dies ist also die eine Seite der Aktion, und ich bin wirklich gespannt auf die Ergebnisse. Wenn sie bei uns angekommen sind, wollen wir die madagassischen Bilder am Gymnasium Altenberg aushängen und die hiesigen Schüler ihr Votum abgeben lassen. Am besten bei einer kleinen Madagaskar-Party, mit Live-Musik aus dem südlichen Indischen Ozean.

Derweil werden aber auch 46 Zeichnungen von Altenberg nach Anjahambe auf den Weg geschickt. Denn nicht nur die madagassischen Kinder sollten ihren "Wald und seine Tiere" malen, sondern auch die Schüler der 6. Klassen des Altenberger Glück-auf-Gymnasiums. Im Herbst durfte ich zweimal den Kunstunterricht nutzen, den jungen Leuten von den herrlichen Regenwäldern im Allgemeinen und den arg bedrohten Lemuren im Besonderen zu erzählen. Der angedachte Malwettbewerb stieß auf überraschend große Begeisterung.

Kunstlehrerin Anett Franz hatte die Anregung daraufhin aufgegriffen und in ihren Unterricht eingebaut. Letzte Woche konnte ich nun die fertigen Bilder in Empfang nehmen. Da sind wirklich richtig kleine Kunstwerke darunter: Hasen, Igel, Eichhörnchen, Fuchs, Luchs und Wolf, Schmetterlinge und Käfer - und sogar ein wunderschöner Uhu! Also, wenn ich den Preis für's beste Bild vergeben sollte … Soll ich aber nicht.

Die Zeichnungen der Altenberger Schüler gibt es hier

Die Zeichnungen werden jetzt laminiert und dann, gemeinsam mit jeweils einem Foto der jungen Künstler, als Paket per DHL nach Madagaskar geschickt (in die Hafenstadt Taomasina, von dort dann weiter per Busch-Taxi). Dort will Kathrin die Bilder in der Schule aushängen und von den Kindern in Anjahambe die schönsten aussuchen lassen. Auf die osterzgebirgischen Schöpfer der ausgewählten Zeichnungen warten dann nette, exotische Preise vom Ranoala-Regenwaldverein.

Das alles ist eine ziemliche logistische Herausforderung (Anjahambe hat weder Strom noch Telefon, Mobilfunk funkt nur auf dem hohen "Handyberg" am Rande des Ortes, und Internet gibt's nur an der mehrere Stunden entfernten Küste.). Und der Spaß ist auch nicht ganz billig, ca. 350,- Euro kostet mich der Spaß insgesamt. Wirklich mit gutem Gefühl ausgegebenes Geld - aber mein Madagaskar-Spendenetat ist damit erstmal ausgeschöpft. Dabei gibt es da noch so viel anderes zu tun! Die Projektförderung durch die Stiftung Nord-Süd-Brücken ist Ende 2010 zunächst abgeschlossen. Jetzt hängt alles erstmal wieder an privaten Spenden.

Mit vergleichsweise kleinen Beträgen kann man da ziemlich viel Wertvolles bewirken für den madagassischen Regenwald. 1,50 € beträgt der Tageslohn einer Frau in der Baumschule, 20,- € ermöglichen die Pflanzung von einhundert Regenwaldbäumen. Für die Bezahlung des Waldwächters, der illegales Abholzen unserer früheren Pflanzungen verhindern soll, sind 365,- € im Jahr nötig.


Global denken - lokal handeln - an Ranoala zahlen!
Spendenkonto der Regenwaldgruppe Ranoala e.V.:

Landeskirchliche Kreditgenossenschaft Dresden, BLZ 850 951 64; Kto: 102 685 032

Wer sich engagieren möchte für den madagassischen Regenwald, die dort lebenden Lemuren, Chamäleons und natürlich auch die sympathischen Menschen, der darf sich gern auch beim Ranoala-Regenwaldprojekt der Grünen Liga einbringen:

Todi Rasolonjatovo, Tel. 0351-1607649, Email: ranoala@grueneliga.de, www.ranoala.de

Nun sind wir alle gespannt, in welche Richtung die Post wohl schneller funktionieren wird. Wahrscheinlich nach den Winterferien wollen wir die madagassischen Tierzeichungen in Altenberg aushängen und die Preisverleihungsparty steigen lassen. Die Kinder von Anjahambe (und ihre Eltern) sollen erfahren, wie wichtig ihr Wald für die Welt ist.


www.osterzgebirge.org

[zurück]